Er kannte diesen Weg nicht. Aber er kannte die Art, wie ein neuer Ort riecht, wenn man ihn zum ersten Mal betritt.

Ein Auszug aus dem Manuskript. Noch unveröffentlicht.


Der Wagen hielt an der Stadtmauer. Jakob stieg ab, ohne auf den Kutscher zu warten. Die Stadt lag vor ihm wie ein versiegelter Brief – er wusste, dass etwas darin war, aber noch nicht, was.

Er kannte diesen Weg nicht. Aber er kannte die Art, wie ein neuer Ort riecht, wenn man ihn zum ersten Mal betritt: nach Rauch, nach Fisch, nach Holz und nach dem Atem vieler Menschen, die hier schon lange lebten, bevor er ankam.

Das Tor war offen. Natürlich war es offen.

Jakob hob seinen Beutel, vergewisserte sich, dass der Brief noch da war – der Brief des Vaters, der ihn hierher geschickt hatte, zu Conrad Albrecht, Buchbinder, in der Krämerstraße – und trat ein.

Rostock, dachte er. Also das ist Rostock.

Er wusste nicht, was er erwartet hatte. Etwas Größeres vielleicht. Etwas, das sich nach einem Anfang anfühlte.

Aber Anfänge sehen meist wie gewöhnliche Tage aus. Das verstand er erst viel später.


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